Ausgabe 4/2017

AUSZUG AUS DEM INHALT:

DIE IM DUNKELN SIEHT MAN DOCH:
DAS GEHEIMNIS GELUNGENER WALD- UND SCHATTENGÄRTEN

TITELTHEMA
FANTASIEVOLLE SCHATTENGÄRTEN
Die Idee eines Wald- und Schattengartens ist alt. Schon in den italienischen Renaissancegärten finden sich Waldgärten, in denen man sich gerne aufhielt, um die heiße Tageszeit zu überbrücken. Der sogenannte „Bosco“ war ein ganz eigener Gartenraum, ein schattiger Waldbereich, ausgestattet meist nur mit einfachen Wegen und dem passenden Skulpturenschmuck. Beliebt waren der Waldgott Pan oder Nymphen, die sich gerne an stillen Waldquellen tummelten. Es hat seinen Reiz, sich  einen eigenen Bosco in den Garten zu holen. So macht man eine vorhandene Gehölzgruppe oder einen durch Mauern dauerhaft beschatteten Gartenbereich nutzbar und erlebbar. Die Zutaten für solch eine erholsame Schattenoase: viele schöne Schattenpflanzen, Wege mit dicken Mulchschichten, Skulpturen, illuminierende oder spiegelnde Elemente und helle Bodenbeläge.

LICHT IN DEN SCHATTEN BRINGEN
Die Farbe Weiß wirkt in einem sonnigen Garten schnell überbelichtet und fade. Im Schatten hingegen ist sie ein Klassiker. Mit Weiß, sei es als Blütenfarbe oder als Farbe der Punkte und Streifen auf Pflanzenblättern, lassen sich im dunklen Schatten tolle Effekte erzielen. Weiße Blüten leuchten in den Abendstunden am längsten, und so sieht man sie auch in schattigen Gartenbereichen am deutlichsten. Im Schatten wirkt Weiß als Kontrast kräftig und keineswegs blass. Mit weißen Dekorelementen kann man diesen Effekt zusätzlich unterstützen und dunkle Ecken im Garten aufhellen.

SCHATTEN IM STADTGARTEN
In städtischen Gärten hat man es oft mit Schatten durch Mauern zu tun. Dieser Schatten hat andere Eigenschaften als ein Baumschatten. Es ist ein gleichbleibend tiefer Schatten, der sich das Jahr über, je nach Sonnenstand, lediglich in seiner Ausdehnung ändert, nicht aber in seiner Intensität. Außerdem fehlt die Wurzelkonkurrenz der Bäume. Schwierige Standorte für Pflanzen sind die Flächen, die einen Teil des Tages im Schatten von Mauern liegen und sich die restliche Zeit in der vollen Sonne befinden. Gerade wenn es sich um die starke Mittagssonne handelt, sind diese Standorte nur für Allroundtalente geeignet.

GARTENFESTIVALS
CHELSEA FLOWER SHOW 2017
Die RHS Chelsea Flower Show in London ist die größte Gartenschau der Welt. 2017 stand sie unter veränderten Vorzeichen: Der Brexit versetzte auch die britische Gartenwelt in einen Schockzustand. Sponsoren zogen sich zurück, und statt wie im Vorjahr 17, gab es dieses Mal nur noch acht Schaugärten. Acht Gärten allerdings, die durch ihre ausgefallenen Konzepte ebenso wie durch ihre Perfektion faszinierten. Trend bleibt weiterhin der naturnahe Garten und seine lässige Anmutung scheinbarer Leichtigkeit.

RATGEBER
BÄCHE UND KASKADEN IN PRIVATGÄRTEN
Zu gestalteten Gärten, die als Miniaturlandschaft gedacht sind, gehört auch ein Wasserelement. Während häufig Stillgewässer wie Teiche und Wasserbecken diese Rolle ausfüllen, ist bewegtes Wasser seltener, von Sprudlern und Fontänen abgesehen. Doch kleine, naturähnliche Bachläufe und gebaute Kaskaden bringen noch mehr Atmosphäre und Bewegung in den Garten.

PORTRÄT
FERGUS GARRETT – HEAD GARDENER IN GREAT DIXTER
Seit 2006 führt Fergus Garrett Regie in Great Dixter. Er gibt die Richtung vor, gestaltet, probiert Neues aus. Der berühmte Garten in Northiam, East Sussex, ist in einem ständigen Wandel, vielleicht noch mehr als zu Zeiten Christopher Lloyds. Seit den 1950er-Jahren hatte Lloyd den Arts and Crafts Garten seiner Eltern weitergeführt. Wer Great Dixter schon lange kennt, spürt allerdings noch denselben Geist des Ortes. Hier wird fantasievoll gegärtnert und experimentiert, angetrieben von einer unstillbaren Neugier gepaart mit Pflanzenkenntnis.

ON TOUR
NÄCHSTER HALT: DEUTSCHLAND: UNESCO WELTKULTURERBE KLOSTER LORSCH – Wie kann man das Nichts sichtbar machen?
Eine riesige Rasenfläche auf einem Hügel. Wenige Gebäude, verstreut ein paar große Bäume. Im Hintergrund die Stadt Lorsch. Ein magischer Ort. Kloster Lorsch, UNESCO Weltkulturerbe, eines der bedeutsamsten Klöster des Mittelalters. Das verlorene Kloster. Nur Bruchstücke, die sogenannte Torhalle, ein Kirchenfragment und Teile der Umfassungsmauer, sind von der ehemaligen Großanlage noch vorhanden und bilden den räumlichen Kontext.

BOUTIQUE
Ideen für den Garten

STADTGARTEN
Der Schatten als Chance

KALEIDOSKOP
Die Entdeckung des Kaffees

KOMMENTAR
Outdoor-Cleaning

GARTENREPORTAGE
Einladung zum Schwelgen

KURIOSES
Rent a Sheep

HOTELS & GÄRTEN
Alila Villas Uluwatu auf Bali

GARTENPFLANZEN
Herbstfärbende Schattenstauden

LOUNGE
Der Persische Garten

SERVICE
Bücher rund um Gärten

GARTENKOLUMNE
Ein glückliches Halbschattendasein

EDITORIAL

Jetzt sind sie da, die wärmsten Wochen des Jahres, die sogenannten „Hundstage“, an denen das Thermometer schon mal auf über 30 Grad klettern kann. Nur ausgemachte Bräunungsfetischisten suchen jetzt noch das pralle Sonnenlicht. Der durchschnittliche Mitteleuropäer sehnt sich nach Erfrischung. Auch im Garten ist nun das berühmte „lauschige Plätzchen“ begehrt, ein Schattenbereich unter Bäumen, Ruhezone und kühlende Oase. Anders als am Pool schreit hier nichts laut: Freizeit! Fun! Sun! Im Schattengarten darf man ganz bei sich sein, lesen, träumen oder „einfach nur so sitzen“ (Loriot).

Je angenehmer der Aufenthalt in Wald- und Schattengärten ist, je entspannter man sich auf ihren oft wild und geheimnisvoll wirkenden Wegen treiben lassen kann, desto mehr Planung und gärtnerische Arbeit ist allerdings meist vorausgegangen. Denn auch Schattengärten wollen bewusst gestaltet sein: mit lichtem Blattschmuck und farbigen Blütenakzenten, hellen Bodenbelägen, Kaskaden und Wasserläufen. Beispiele, inspirierende Anregungen und praxisbezogene Umsetzungsvorschläge finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe. „Wo viel Licht ist, da ist starker Schatten“, wusste Johann Wolfgang von Goethe. „Ja, zum Glück!“, möchte man ihm am liebsten angesichts dieser tollen Gestaltungsideen erwidern. Ohnehin kann die Allwissenheit und Omnipräsenz des Dichterfürsten gerade im Urlaub ein wenig anstrengen.

Nicht nur in Rom oder am Fuße des Brocken, auch eher unerwartet, etwa in Mittenwald, hat Goethe, wie Inschriften uns verkünden, schon einmal seine Pferde getränkt, mit Wirtinnen geplaudert und vor allem: Kaffee getrunken. Das kam nämlich zu seiner Zeit in Europa gerade so richtig in Mode. Lesen Sie in unserem Magazin, wie die Kaffeepflanze entdeckt wurde, wie man sie anbaut und ihre Bohnen verarbeitet und welche Zubereitungsarten Kaffeeröster Lukas Deliano empfiehlt.

Lassen Sie sich außerdem mit unseren Gartenreportagen ins moderate englische Klima entführen, nach Great Dixter in East Sussex und nach Somerset in einen Piet Oudolf-Garten mit prachtvollen Staudenbeeten. Genießen Sie dabei Tee oder einen heißen Espresso. Natürlich im Schatten!