MYTHOS AMANPURI

DER BEGINN EINER NEUEN ZEITRECHNUNG

TEXT: HEIKE NEUENBURG | FOTOS: AMAN

Auszug aus:

GARTENDESIGN INSPIRATION 2|2018: Feuerstellen und Aussenkamine

GARTENDESIGN INSPIRATION
Das Magazin für Gartengestaltung und Gartengenuss
Ausgabe 2|2018
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Phuket liegt 890 Kilometer südlich von Bangkok im Andamanischen Meer, einem Randmeer des Indischen Ozeans. Die Insel ist 50 Kilometer lang und misst an der breitesten Stelle 22 Kilometer. Im Norden ist sie mit dem Festland und der thailändischen Provinz Phang Nga durch eine Brücke verbunden. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts war das Innere von dichtem Dschungel bedeckt. Hier an der Westküste der größten Insel Thailands wurde 1988 das erste Aman Hotel eröffnet und verzaubert seitdem Gäste aus aller Welt.

30 Jahre jung – und schon eine Legende. Der Gründer Adrian Zecha, indonesischer Visionär mit holländischem Pass, Kunstsammler und Kosmopolit, schuf mit dem „Amanpuri“ etwas völlig Neues, ein Konzept, das alles veränderte: edel, stilvoll, puristisch. Ein Luxus-Hideaway mit gerade einmal 40 privaten, freistehenden Pavillons, zum Teil mit eigenem Pool. Mit Aman begann eine neue Ära in der Luxushotellerie. Die Philosophie war ebenso schlicht wie einmalig: Reduziertes, lokal inspiriertes Design und lässiger Luxus verbinden sich mit herausragendem Service und traumhafter Natur zu einer bezaubernden Allianz. Aman steht für Exklusivität ebenso wie für subtiles Understatement.

TEMPELARCHITEKTUR MEETS HOTELDESIGN

Auch 30 Jahre später zeigt sich, dass das „Amanpuri“ ein Trendsetter war, der wegweisende Maßstäbe gesetzt hat, die kopiert wurden, dass sich die Palmen biegen. Inzwischen umfasst die Marke Aman-Hotels 31 Häuser in 20 Ländern und gilt als internationale Benchmark in der Luxushotellerie. Zecha verwirklichte mit dem „Amanpuri“ seine persönliche Vision von Perfektion bis ins kleinste Detail und zeigte damit bereits vor drei Jahrzehnten, wie gut Nachhaltigkeit und Luxus zusammenpassen. Architektur, Gärten und Dekoration fügen sich organisch in die Landschaft, scheinen dazuzugehören. Ed Tuttle, Designer des kultbegründenden „Amanpuri“ auf Phuket, modellierte die Pavillons behutsam ins satte Grün einer ehemaligen Kokosplantage. Das Design der Anlage basiert auf dem Architekturstil der Ayutthaya-Periode, die in die Zeit des siamesischen Königreiches (14. bis 18. Jahrhundert) fällt und oft als „goldene Epoche“ der Architektur bezeichnet wird. Der amerikanische Star-Architekt mit Wohnsitz in Paris hat viel Zeit damit verbracht, Tempelanlagen und Monumente jener Zeit zu studieren, um dann eine reduzierte Form zu schaffen, die heutzutage umsetzbar ist, auch im Hinblick auf den Wohnkomfort, den internationale Highend-Reisende erwarten.

Der erste Blick auf das Resort verschlägt einem den Atem. Stilvoller lässt sich die Tempelarchitektur Thailands nicht in Szene setzen. Umgeben von üppigem Tropengrün erheben sich die elegant geschwungenen, spitzen Pagodendächer in den azurblauen Himmel, umfächelt vom Smaragdgrün schlanker Palmenwedel. Fantastisch ist die attraktive Blickachse von der offenen Lobby vorbei an perfekten Palmen über den Pool bis hin zur türkisblauen Andamanensee. Wasser als Element durchzieht das gesamte Resort von den Seerosenbecken rechts und links des Eingangs über die mannigfachen Pools, Lotusblüten-Teiche bis hin zum ganzheitlichen Aman-Spa. Palmen und weiße Wolken spiegeln sich im Wasser des 27 Meter langen, geheimnisvoll in dunklem Mitternachtsblau schimmernden Haupt-Pools. Er ist umgeben von Holzliegen mit dicken Polstern. Um die Gesamtoptik nicht zu stören, wurde auf Sonnenschirme verzichtet.

Wer Schatten sucht, findet diesen am zweiten Pool im Beach Club, der parallel zum Strand liegt. Tropengrün, Wasser und Natursteinmauern, überrankt von „Lizard foot“, einer Kletterpflanze ähnlich dem Efeu, sind zu harmonischen Einheiten verbunden. Bougainvilleen in Weiß und Magenta flankieren in großen Tongefäßen Terrassen und Treppen. Der Blick fällt ringsum auf eine verschwenderische Flora, selbst da, wo der Untergrund steil und steinig ist.

 

EIN TROPISCHER GARTEN DER BESONDEREN ART

Großzügig und voller Weite präsentiert sich die Gartenanlage des „Amanpuri“. Die Gestaltung des großen Anwesens wurde einfach und natürlich gehalten und unterscheidet sich von der üblichen Ansammlung tropischer Pflanzen in anderen südost-asiatischen Gärten und Resorts.

Die dominierende Farbe ist Grün in unzähligen Schattierungen. Reduzierte Farbakzente setzen Orchideen, Frangipani-, Jasmin- und Lotusblüten in Weiß. Weiße Seerosen leuchten auf glitzernden Teichen und kontrastieren mit einem Meer aus sonnengelben Miniblüten, „Golden Button“ genannt. Ein Hingucker ist der Katappenbaum (Terminalic catappal), ein laubabwerfender Baum, auch als „Strandmandel“ oder „Seemandelbaum“ bekannt, mit Blättern in drei verschiedenen Farben. Diese großen, ovalen Blätter verfärben sich von tiefem Grün über dekoratives Gelborange bis hin zu Tiefrot. Der Katappenbaum gedeiht in steinig-sandigen Böden und wird in vielen tropischen Ländern aufgrund seiner schirmförmigen Krone als Schattenbaum geschätzt und gepflanzt, vor allem auch am Strand. Palmen wiegen sich im Wind: Kokos- (Cocos nucifera), Flaschen- (Hyophorbe lagenicaulis) und Betelnusspalmen (Areca catechu), bis zu 25 Meter hohe, schlanke, einstämmige Fiederpalmen. Dazwischen Fächerblumen (Scaevola taccanda), immergrüne Pflanzen in Form von Büschen oder kleinen Bäumen mit weißen Blüten, Bananenstauden, Bambus, Gummibäume, Jasmin – sie geben dem Ganzen räumliche Struktur und erzeugen spannende Licht-Wechselspiele. Hier scheint alles zu gedeihen. 15 Gärtner versuchen, die tropische Üppigkeit im Zaum zu halten, und sie haben alle Hände voll zu tun. Unterstützt werden sie von zwei speziell ausgebildeten Kokosnusskletterern, die täglich bereits im Morgengrauen die Wipfel der Kokospalmen erklimmen und dort reife Nüsse und lose Äste abschlagen, um Unfälle mit herabfallenden Kokosnüssen zu vermeiden.

 

LUXUS UND UNDERSTATEMENT

30 Villen (mit bis zu neun Schlafzimmern und eigenen Pools) und 40 Pavillons verstecken sich unter Palmen in diskreter Distanz zueinander auf dem hügeligen Gelände am Ende einer malerischen Halbinsel. Mit dem Rest der Welt sind sie über Stege aus Holz verbunden. Bilderbuch-Panorama und Privatsphäre sind garantiert. Der sinnlich-verführerische Duft von Frangipani und Jasmin schwebt allgegenwärtig durch die Luft. Viel Platz lautet die Devise. Klare Linien, meditativer Minimalismus, Materialien aus der Region schaffen einen Designwohntraum in Mahagoni, Teak und rötlich schimmerndem Maka-Holz. Liebenswürdige Angestellte umsorgen und verwöhnen den Gast, erfüllen Wünsche, bevor man überhaupt weiß, dass man sie hat: bringen kunstvoll aufgeschnittene Früchte, dampfenden Jasmintee, frisch gebackene Kekse. Am liebsten würde man seinen Pavillon mit riesengroßem Bad und Ankleide, Sonnenterrasse, Sala und Tagesbett in den Baumwipfeln hoch über dem Strand gar nicht mehr verlassen. Aber dann würde man die Bibliothek mit über 1000 Büchern und Bildbänden, fünf exzellente Restaurants, Massagen und Behandlungen im Aman-Spa, Schwimmen im badewannenwarmen Wasser der Andamanensee oder den Afternoon Tea verpassen, der nachmittags stilvoll mit Kanom Krok (himmlischen Reiskokosküchlein mit Mango, Sesam oder Frühlingszwiebeln) zelebriert wird, während der Blick über den Zauberstrand der halbmondförmigen Pansea-Bucht und die türkisgrünen Fluten gleitet. Eine breite, steile Steintreppe, im selben Champagnerton wie der Sand, führt hinunter zum Strand. Spektakulär versinkt die Sonne im Meer, und ein Farbenrausch in Rosa, Rot, Orange und Lila überzieht den Horizont. Die Dämmerung in den Tropen ist kurz. Das Zirpen der Zikaden beginnt. Auch nach drei Jahrzehnten hat das Amanpuri nichts von seinem Zauber und seiner Magie verloren.

AMAN RESORTS

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