NATURPOOLS

NATÜRLICH STATT CHLORREICH

TEXT: DANIEL BÖSWIRTH | FOTO (Header): Long Shadows – Stock.Adobe.com

Auszug aus:

GARTENDESIGN INSPIRATION
Das Magazin für Gartengestaltung und Gartengenuss
Ausgabe 3|2020
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Eine Badestelle im Garten, davon träumen viele. Als Weiterentwicklung des Schwimmteiches bietet der Naturpool all denen eine Alternative, die die Ressource der Selbstreinigungskräfte in der Natur nutzen wollen, dabei aber einen Pool gegenüber einem angelegten Teich bevorzugen.

Wasser zieht Leben magisch an. Ein chemisch betriebener Pool aber lässt keine Dynamik zu. Mikroorganismen und andere sich ansiedelnde Lebewesen werden durch Chlor oder gleichwertige Desinfektionsmittel abgetötet. Das so behandelte Wasser ist biologisch tot.

Pioniere der Umweltbewegung inspirierten in den 1970er-Jahren naturbegeisterte Gartengestalter, und die Idee des Schwimmteiches wurde in ersten Pilotprojekten umgesetzt. Er entspricht einem Stillgewässer, einem Weiher oder Teich in der Natur. In diesem stehenden Gewässer sind die Einträge und kontrollierte Ablagerungen die Basis für das Wachstum der Pflanzen und Mikroorganismen. Durch Mineralisation werden Nährstoffe zur Verfügung gestellt, Basis für den sogenannten „Biofilm“ – unzählige Mikroorganismen, frei schwebend als Plankton und festsitzend als glitschiger Belag – und für das Wachstum der Pflanzen in der Regenerationszone. Diese speichern in ihrer Biomasse Stickstoff, Kalium, Phosphor & Co.

Durch das Dezimieren der Unterwasserpflanzen im Sommer und das Zurückschneiden der Uferpflanzen im Herbst und Frühjahr sowie das Absaugen des Bodenbelages im Schwimmbereich werden dem Wasser die Nährstoffe, insbesondere auch die eingetragenen Phosphate, wieder entzogen. Es kommt daher nicht zu einem Nährstoffüberangebot, das Gleichgewicht hält das Algenwachstum in Grenzen. Technische Reinigungshilfen wie Oberflächenskimmer werden nur wenige Stunden am Tag unterstützend zur Wasserreinhaltung eingesetzt, müssen aber nicht zwingend verwendet werden.

EIN FILTER, DER LEBT

Limnologen beschäftigten sich eingängiger mit der Funktionsweise eines Schwimmteiches und untersuchten einzelne Anlagen genauer. Weniger die Pflanzen selbst sorgen für die Reinhaltung des Wassers, vielmehr ist es der Biofilm, der die Hauptarbeit erledigt. Die frei verfügbaren Phosphate im Wasser spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn je höher ihre Werte sind, desto größer ist das Wachstum der Algen und die Belastung für das Wasser. So geht es also vor allem darum, den frei verfügbaren Phosphor (als Ortho-Phosphat bezeichnet) zu limitieren, und zwar über ein Filtersystem mit Mikroorganismen. Daraus entwickelten Teichbauer einen völlig neuen Typ des künstlich angelegten Gewässers: den Naturpool. Seine Eigenschaften entsprechen nicht wie beim Schwimmteich denen eines Stillgewässers in der Natur, sondern denen eines Mittelgebirgsflusses. Auf den permanent angeströmten, sauerstoffreichen Oberflächen im Filterkörper bilden sich wie im Schotterkörper eines Flusses Biofilmflächen mit Milliarden von Mikroorganismen. Sie bauen Phosphate und andere Nährstoffe bzw. Einträge (zum Beispiel durch Badegäste) ab und speichern sie in ihrer organischen Substanz. Aus dieser Erkenntnis entstand ein neuer Typ „selbstreinigender” Badegewässer: Naturpools, die es in vielen Varianten, aber immer mit demselben Wirkungsprinzip gibt.

VORTEILE GEGENÜBER EINEM HERKÖMMLICHEN SCHWIMMTEICH

Schwankungen und temporäre Eintrübungen des Badewassers, etwa nach der Schneeschmelze im Frühjahr, treten bei einem nach Norm gebauten Naturpool so gut wie nicht auf. Die Nährstoffe können konstant niedrig gehalten werden, weil in diesem System kein Substrat zulässig ist und es daher auch zu keiner Rücklösung gespeicherter Nähstoffe kommen kann. Der sonst manchmal als unangenehm empfundene „Teichgeruch” tritt dank fehlender Ablagerungen und den damit verbundenen kurzfristig anaeroben (sauerstoffarmen) Zonen nicht auf. Für den Regenerationsbereich benötigt man nur etwa 30 Prozent der Gesamtfläche und damit deutlich weniger als bei Schwimmteichen. Somit eignet sich der Naturpool ideal für kleine Anlagen, wie sie oft in der Nähe von Saunahütten im Garten als Tauchbecken erwünscht sind. Am häufigsten werden Anlagen gebaut, die zwischen 40 und 70 Quadratmeter groß sind. Vielen sagt der architektonische, sehr nüchterne Charakter von Naturpools zu. Die Anlagen wirken schlicht und passen vom Stil her gut zu moderner Architektur.

Das Setzen von Seerosen ist wegen des knappen Nährstoffangebotes nicht möglich. Aufgrund der fehlenden Pflanzen siedeln sich auch keine Amphibien oder andere Wassertiere an. Wer dennoch den Komfort eines Naturpools genießen, aber nicht auf Vielfalt an Pflanzen und Tieren in einem Schwimmteich verzichten möchte, kann heute auch beides kombinieren. Ein naturnaher Bereich wird direkt mit einem Naturpool kombiniert, wobei das Wasser beider Bereiche vollständig voneinander getrennt ist.

NIEDERE GRENZWERTE, KAUM SCHWANKUNGEN

Die Idee des Naturpools ist überzeugend: Es gelingt, mit wenigen Nährstoffen auszukommen und durch wenige Einträge, optimale Filtrierung und Pflege den Nährstoffgehalt weiter niedrig zu halten. Dann haben auch Algen keine guten Bedingungen. Es gibt weniger Schwankungen, das Wasser ist somit klarer. Das heißt, dass schon beim Füllen des Teiches auf Grenzwerte geachtet werden muss. Das Füllwasser wird zunächst daraufhin analysiert, ob es überhaupt den Anforderungen eines Naturpools gerecht wird. Wenn nicht, muss es aufbereitet werden. Dafür gibt es Fällungsmittel wie Aluminiumsulfat, die das Ortho-Phosphat aus dem Füllwasser abscheiden. Es reicht aber nicht, nur mit einem niedrigen Phosphatgehalt zu beginnen; die durch Verunreinigungen dazukommenden Nährstoffe müssen auch aus dem System gespült werden. Somit sind Naturpools phosphatlimitierte Anlagen. Phosphate und andere Nährstoffe werden im Filtermedium gebunden und durch Rückspülung aus dem System genommen. Dieses hoch komplexe und technisch aufwändige Reinigungssystem spielt hier aber seinen Trumpf aus: Verglichen mit konventionellen Schwimmteichen haben Naturpools das klarste und stabilste Badewasser, das kaum Trübungen oder Schwankungen unterworfen ist.

BAULICHE VORLAGEN

Damit ein Naturpool überhaupt funktioniert, muss das Filtermedium über die gesamte Badesaison permanent durchströmt werden. Der Hauptakteur in der Wasserreinigung ist der Biofilm. Pflanzen haben, sofern überhaupt vorgesehen, rein dekorativen Charakter. Anders als die dünne, braungrüne „Schleimschicht”, die sich über sämtliche unter Wasser befindliche Oberflächen im sonnigen Teich legt, bildet sich der Biofilm im lichtlosen Filterkörper auf den Steinflächen. Dieser Biofilm benötigt ständig sauerstoffreiches Wasser, da im Zuge seines Wachstums die Nährstoffe gebunden und Schadstoffe verstoffwechselt werden. Sauerstoff ist essenzielle Grundvoraussetzung für sein Überleben. Man könnte den Filter mit einer Lunge vergleichen: Fehlt ihr der Sauersoff, kommt es zum Infarkt und schließlich zum Absterben. Dieser Vorgang findet schon nach wenigen Stunden statt. Ein Worst-Case-Szenario! Der abgestorbene Biofilm gibt dabei die gespeicherten Nährstoffe wieder ins Wasser ab. Es folgt eine Überdüngung des Badewassers mit starker Algenblüte in Folge. Somit liegt auf der Pumpe im Bau der Anlage ein besonderes Augenmerk. Im Naturpool dürfen im Gegensatz zum Schwimmteich keine anaeroben Zonen entstehen.

HERZSTÜCK PUMPE

Die Pumpe muss qualitativ hochwertig und auf Dauerbelastung ausgerichtet sein. Auf niedrigen Stromverbrauch für einen energieeffizienten Betrieb und die Verwendung von verschleißarmen Materialien wie etwa dauerlauffeste Keramiklagerungen sollte bei der Auswahl geachtet werden. Auch auf die Auslegung der Pumpe muss geachtet werden. Sie muss zur Gesamtwassermenge und dem verwendeten Biofilter passen. Manche Biofilter werden sehr schnell durchströmt und manche langsamer.

Ein zweiter, völlig unabhängiger Kreislauf im Naturpool dient dem Zweck der Oberflächenreinigung. Über Skimmer samt Filterkörben wird das Oberflächenwasser eingesaugt, grob gefiltert und an anderer Stelle zum Beispiel über einen Schwall ins Becken rückgeführt.

KREISLAUFSYSTEM IN ZWEI VARIANTEN

Es gibt im Prinzip zwei Möglichkeiten die Durchströmung im Biofilter zu erreichen. Entweder ist die Pumpe druckseitig oder saugseitig installiert. Die druckseitige Installation ist technisch meistens ein bisschen einfacher. Wenn es gewünscht wird, lässt sich ein durchgehender Wasserspiegel realisieren, oder das Filterbecken steht erhöht, und das gefilterte Wasser fließt elegant über einen kleinen Wasserfall ins Becken zurück.

Bei der saugseitigen Installation entsteht ein Unterschied zwischen dem Wasserspiegel im Pool und im Filterbecken. Diese zweite Variante ermöglicht allerdings die sehr begehrte Infinity-Kante, bei der das Poolwasser gleichmäßig über eine Überlaufrinne in ein Schwallwasser- oder Filterbecken fließt. Man glaubt, das Wasser endet am Horizont. Besonders attraktiv ist diese Variante bei Lagen, die einen schönen Fernblick in die umgebende Landschaft bieten.

GRÜN ALS ZIERDE

Ein Naturpool funktioniert ohne Wasserpflanzen. Um ihn jedoch nicht ganz so nüchtern zu gestalten, können Pflanzen erdlos in ein eigens dafür vorgesehenes Becken gesetzt werden. Aufgrund des knappen Nährstoffangebotes, das ja eine Grundbedingung für das Reinigungssystem ist, kommen nur wenige Wasserpflanzen infrage, die sich mit diesen spärlichen Voraussetzungen begnügen, aber auch dann eher schlecht als recht wachsen. Gezielte Düngegaben mittels speziell für Naturpools geeigneten Düngern sind anzuraten. Unter den blühenden Gattungen haben sich der Blut-Weiderich (Lythrum salicaria) oder die Gelbe Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) bewährt, das Zyperngras (Cyperus longus), der Kalmus (Acorus calamus), Breitblättriges Wollgras (Eriophorum latifolium), der Wasser-Schwaden (Glyceria maxima) und viele Seggen-Arten (Carex sp.).

Möchte man dennoch nicht auf Seerosen, üppig blühende Sumpfpflanzen oder Schwimmblattpflanzen verzichten, muss neben dem Naturpool ein separates, unabhängiges Biotop gebaut werden. Für den Betrachter sieht die Anlage wie ein Schwimmteich aus, ist aber keiner.

PFLEGE UND WARTUNG

Das Prinzip lautet: Alles, was reinfällt, muss schnell wieder raus! Oberflächenverunreinigungen werden über Skimmer effektiv entfernt. Filterkörbe im Skimmer müssen täglich kontrolliert und eventuell darin gefangene Tiere befreit werden. Für die Beckenwand und den Boden haben sich zur Reinigung spezielle Naturpoolroboter bewährt, die ähnlich einem Rasenmäher-Roboter automatisch arbeiten. Über ein Bürstensystem werden die Oberflächen sauber gehalten. Normale Poolroboter für klassische Swimmingpools funktionieren allerdings in Naturpools nicht oder nur sehr eingeschränkt. Moderne Naturpoolroboter können auch mit einem Smartphone gesteuert werden.

Fazit: Ein Naturpool ist heutzutage mehr als eine Alternative zu klassischen Swimmingpools mit Chlor oder Salz. Die Baukosten und die Pflege sind im Prinzip die gleichen und die Unterhaltskosten deutlich geringer. Der größte Vorteil aber ist und bleibt das extrem angenehme Wasser ohne Chemie.

 

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