DIE DISTEL

DORNIGE SCHÖNHEIT

TEXT UND FOTOS: ANDREA CHRISTMANN

Auszug aus:

GARTENDESIGN INSPIRATION
Das Magazin für Gartengestaltung und Gartengenuss
Ausgabe 4|2019
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Markant und vielfältig: Der Bund deutscher Staudengärtner hat die Distel zur Staude des Jahres 2019 gekürt. Mit ihren dornigen Blüten und Blättern bilden die Disteln interessante Formen. Sie leuchten in brillanten Farbtönen in den Beeten, sind bei Insekten äußerst beliebt und werden als Heil- und Färberpflanze genutzt. 

Bei den Edeldisteln gibt es unter den 200 Arten imposante Erscheinungen. Sie besitzen dornige Blüten und Blätter, die zu kugeligen oder zylindrischen Köpfen geformt sind und von imposanten, teils metallisch blau gefärbten, stark geteilten Hüllblättern kragenartig umgeben sind. Aufgrund ihres aufrechten Wuchses und ihrer markanten Struktur sind sie wahrhaftige Blickfänge im Staudenbeet, dort haben sie vor allem eine ordnende Funktion. Auch Bienen und Schmetterlinge sind begeistert von ihren Blüten und zählen zu den Stammgästen in einem mit Edeldisteln gestalteten Beet. Die Blüten der zweibis mehrjährigen Pflanzen halten sehr lange, sind in der Vase dekorativ und werden auch zur Trockenbinderei verwendet.

MAGNETISCHE BLÜTEN

Für die Beete sind verschiedene Distelarten, aufgrund ihrer Gestalt, aber vor allem wegen ihrer faszinierenden Blüten, hervorragend geeignet. Der silbrige oder bläuliche Schimmer ihrer Blüten bringt Abwechslung in das grüne Blätterkleid eines Staudenbeets.

Mit metallischem Glanz funkelt zum Beispiel die Elfenbeindistel (Eryngium giganteum). Aus unzähligen Einzelblüten zusammengesetzt, präsentiert sie ihren silbrig-grünen, kegelförmigen Blütenkopf. Bewundernde Blicke ruft auch der Flachblatt-Mannstreu (Eryngium planum ‘Blaukappe’) hervor. Dessen Blütenstände leuchten in pulsierendem Stahlblau. Beeindruckend sind auch Kugeldisteln (Echinops). Deren intensiv blaue und weiße Blütenkugeln sind für formale Beete wie geschaffen, aber auch für Prärie- und Steppenpflanzungen eine gute Besetzung. Äußerst attraktiv ist die bis zu 150 Zentimeter hohe Veitch’s Kugeldistel (Echinops ritro ‘Veitch’s Blue’). Von Juli bis September bringt sie sehr viele stahlblaue Blütenkugeln hervor. Die dekorativen Blütenstände sind zudem äußerst bienenfreundlich und Anziehungspunkt für so manchen Schmetterling. Die mehrjährige Pflanze mit ihrem aufrechten Wuchs und ihrem gefiederten Laub ist ein perfekter Begleiter für farbenfrohe Staudenbeete. Dezenter, aber nicht weniger attraktiv,  sind die hell-violettblauen Büten der Kugeldistel (Echinops ritro). Sie eignet sich hervorragend für naturnahe Gestaltungen und für Präriegärten. Es ist vor allem die ungewöhnliche Blütenform einer Kugel, die zum Blickfang in jedem Beet wird. Kugeldisteln wirken auch in Sträußen sehr dekorativ und sind im getrockneten Zustand  beeindruckend.

VIELSEITIG KOMBINIERBAR

Vor allem die hohen Arten der Edel- und Kugeldistel sind hervorragende Strukturbildner und wirken in Gruppen gepflanzt großartig. Dagegen sind kleinwüchsige Arten, wie zum Beispiel die Niedrige Kugeldistel (Echinops humilis) oder der Kleine Mannstreu (Eryngium planum ‘Blauer Zwerg’) eine gute Wahl für die vordere Reihe im Beet. Die niedrigen Gold- und Silberdisteln (Carlina vulgaris, Carlina acaulis) sind vor allem für Stein- und Naturgärten geeignet.

Edel-Disteln lassen sich aufgrund ihrer einzigartigen Gestalt vielseitig kombinieren, zum Beispiel mit Sonnenhüten (Echinacea, Rud beckia). Sie passen ebenso hervorragend zu Stauden mit doldenförmigen Blütenständen wie der  Schafgarbe (Achillea) oder verschiedenen Wolfsmilcharten (Euphorbia). Kontrastreich wirken kerzenförmige Blüten, etwa die von Fingerhut (Digitalis), Königskerze (Verbascum) und Fackellilie (Kniphofia). Filigrane Blütenstauden wie die Prachtkerze (Gaura lindheimeri), die Blauraute (Perovskia atriplicifolia) oder die Skabiose (Scabiosa) heben mit ihren zierlichen Einzelblüten die stacheligen Blütenköpfe der Disteln besonders schön hervor.

FABELHAFTE ARRANGEMENTS

Eine gute Wahl für ein Staudenbeet mit Disteln in Weiß- und Silbertönen ist die Weiße Kugeldistel (Echinops sphaerocephalus ‘Arctic Glow’) mit ihren großen Blütenkugeln. Ebenso wie die Elfenbeindistel (Eryngium giganteum), die ihre silbrig-weißen kegelförmigen Blütenköpfe auf hohen, reich verzweigenden Stielen präsentiert und damit für ordentlich Aufmerksamkeit sorgt. Eleganz und Klasse verströmt die Sorte ‘White Glitter’ des Flachblatt-Mannstreus (Eryngium planum) mit ihren strahlend weißen Blüten im Beet.

Mit diesen Pflanzen lassen sich andere trockenheitsliebende Stauden, wie zum Beispiel der Wollziest (Stachys byzantina), die Silberraute (Artemisia ludoviciana var. abula Silver Queen’), die Weiße Lichtnelke (Lychnis coronaria ‘Alba’) und das Weiße Weidenröschen (Epilobium angustifolium ‘Album’) arrangieren. Starke Effekte erzielt man in einem Staudenbeet, wenn Mannstreu und Kugeldisteln mit Ziergräsern kombiniert werden: Die sich sanft im Wind wiegenden Ähren und Halme zum Beispiel von Federgras (Stipa tenuissima), Goldbartgras (Sorghastrum nutans) oder Reitgras (Calamagrostis) schmeicheln den kratzigen Schönheiten und betonen ihre markanten Konturen.

WERTVOLLE INGREDIENZIEN

Disteln haben wegen ihrer Dornen einen schlechten Ruf. Doch sind Disteln nicht nur wunderschön, sondern sehr robust und äußerst nützlich. Die Gruppe der Disteln umfasst dabei auch viele Arten, die ökologisch besonders wertvoll sind. Die Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) und die Kugeldistel (Echinops ritro) produzieren beispielsweise im Sommer Unmengen an Nektar und Pollen, weshalb sie unzählige Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten anlocken. Ihre Blätter dienen den Raupen des Distelfalters als Futter. Die nahrhaften Samen bevorzugen der Distelfink und viele Vögel als Nahrung, aber auch Insekten und Kleinsäuger lieben sie. Sie picken sie geschickt aus den starren Hüllen oder sammeln sie vom Erdboden auf.

Viele Distelarten haben auch eine lange Tradition als Heil- und Färbepflanzen, da sie wertvolle Inhaltsstoffe besitzen. Die Mariendistel (Silybum marianum) erlangte bereits in der Antike als Heilpflanze Ruhm und Ehre. Diese attraktive zweijährige Art mit den weiß geaderten Blättern und den magentafarbenen Blüten wird bis heute als Arzneipflanze angebaut und geerntet. Wie die Mariendistel wurde auch die Färberdistel (Carthamus tinctorius) jahrhundertelang zunächst in Klostergärten kultiviert und später in größerem
Umfang auf dem freien Feld angebaut. Begehrt war sie aufgrund ihrer attraktiven goldgelben Blüten, aus denen man rote und gelbe Farbstoffe gewann. Diese waren zur der Zeit rar und kostbar. Die Samen der Pflanze dienen bis heute der Gewinnung des wertvollen Färberdistelöls.

WILDE DISTELN

Auch Artischocken gehören zur Gruppe der Disteln. Der Name stammt aus dem Arabischen und wird von „al-churchufa“ (essbare Pflanze) oder „ardi-schauki“ (Erddistel) hergeleitet. Von Ägypten bis nach Griechenland war die wohlschmeckende und verdauungsfördernde Artischocke bereits in der Antike äußerst beliebt. Auch bei den wohlhabenden Römern. Den Weg nach Europa fand die wilde Distel im 15. Jahrhundert, dort ließ sich vor allem der Adel die Delikatesse schmecken. Die essbare Artischocke (Cynara scolymus) hat ihre Liebhaber in Italien, Frankreich, Spanien und Großbritannien. In Nordeuropa wird die Pflanze nicht angebaut, da sie sehr frostempfindlich ist. Dagegen ist die Artischockensorte Imperial Star für das nordeuropäische Klima optimal. Sie bildet bereits im ersten Jahr erntereife Früchte. Wer diese nicht erntet, kann dafür die attraktiven blauvioletten Blüte bewundern.

Die Zierartischocke (Cynara cardunculus) ist ein absoluter Blickfang mit blauvioletten Blüten. Die bis zu 200 Zentimeter hohe Pflanze mit den graugrünen, tief eingeschnittenen Blättern beeindruckt vor allem mit ihrer ausladenden Wuchsform, deshalb sollte man ihr reichlich Platz im Beet einräumen.

IN DER VASE GLÄNZEN

Mit ihrem extravaganten Aussehen glänzen Disteln auch in der Vase. Zudem sind sie ideal für lange haltbare Trockensträuße und -gestecke. Kugel-, Gold- und Silberdisteln werden geschnitten, sobald sich die ersten Röhrenblüten öffnen, der Mannstreu sollte dagegen voll in Blüte stehen.

 

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