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MIT FARBENPRACHT DURCH DIE KALTE JAHRESZEIT

Festliche Gestecke und passende Blüten für die besinnliche Jahreszeit

TEXT und FOTO (Header): ANDREAS SCHOLZ

Auszug aus:

GARTENDESIGN INSPIRATION
Das Magazin für Gartengestaltung und Gartengenuss
Ausgabe 6|2019
Titelthema: Gartenträume – Zimmer unter freiem Himmel
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Wenn im Spätherbst das Wetter ungemütlicher und die Landschaft kahler wird, dann ist das für Hobbygärtner noch lange kein Grund, um in eine Winterdepression abzurutschen. Festliche Wintergestecke, Mistelzweige, Ritterund Weihnachtssterne hellen vor allem zur Weihnachtszeit die Miene wieder auf. Blühende Christrosen sorgen nach den Weihnachtsfeierlichkeiten für erste Farbtupfer im Garten.

Kurz vor dem 1. Advent bricht auch beim Floristen vom Blumenhaus Kramer in Heilbronn die Weihnachtssaison durch. Klaus Götz leitet beim Fachverband Deutscher Floristen mit Hauptsitz in Gelsenkirchen den Vorsitz des Fachausschusses für Wirtschaft, Handel und Öffentlichkeitsarbeit und wirkt gleichzeitig als Präsident des Landesverbands Baden-Württemberg. „Zur Adventszeit steigt die Nachfrage nach festlichen Gestecken und jahreszeitlich passenden Blütenpflanzen wie Amaryllis, Weihnachtsstern, Christrose“, erklärt er.

Der Adventsauftakt läutet die besinnliche Jahreszeit ein: Bei trübem Tageslicht und kühlen Temperaturen machen es sich viele Menschen in den eigenen vier Wänden gemütlich. Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest zu erhöhen, gehören nicht nur Weihnachtsplätzchen auf den Tisch, sondern auch eine festliche Dekoration, wie Klaus Götz weiß. „Ich mag vor allem winterliche Gestecke mit aufgeblühter Amaryllis und schönen Koniferen.“

„Aber auch weihnachtliche Dekorationen mit Mistelzweigen an der Haustür oder festliche Gestecke mit Tannengrün, Tannenzapfen und Schleifen in Kombination mit leuchtenden Christbaumkugeln kann ich für die Adventszeit empfehlen“, ergänzt der Blumenfachmann.

Die Adventszeit bildet außerdem den Auftakt zu vielen Feierlichkeiten in der Familie, in den Vereinen und in den Firmen, weiß der Floristik-Fachmann. „Da isst das Auge schon bei der Tischdekoration zusätzlich mit.“ Der Dekorationsexperte rät dazu, die Tischdekoration in der Vorweihnachtszeit mit Tannenzweigen, Äpfeln und Nüssen auch gerne mal in einen rustikalen Rahmen einzubetten.

OHNE MOOS (IST) DEKORATIV NIX LOS

Auch Moos ist für den Blumenexperten aus dem Neckartal in der kalten Jahreszeit ein schönes Accessoire bei der Kreation von winterlichen Gestecken. „Frisches Moos gibt es im Wald zwar auch im Dezember genug, aber es muss unbedingt behandelt und getrocknet werden, weil Moos oft von Käfern und Fliegen besucht wird“, meint der  Dekorationsexperte. „Wer Moos zur weihnachtlichen Dekoration braucht, der sollte das Moos schon lange vorher aus dem Wald holen und trocknen oder sich alternativ lieber bereits behandeltes Moos im Fachhandel besorgen.“

Ebenfalls ideal für weihnachtliche Dekorationszwecke geeignet ist in den Augen von Klaus Götz der Weihnachtsstern. „Auf den Kanarischen Inseln sieht man den Weihnachsstern zur Weihnachtszeit oft im Freien am Wegesrand oder in den Gärten. Bei uns ist das Klima aber zu kalt und daher gibt es den Weihnachtsstern nur als Zimmerpflanze.“

Damit der Weihnachtsstern aber seine volle Pracht im adventlich geschmückten Wohnzimmer entfalten kann, gilt es einige Aspekte zu beachten. „Staunässe schadet dem Weihnachtsstern. Auch bei zu viel Zugluft ist der Weihnachtsstern schnell beleidigt und reagiert mit Blätterabwurf “, weiß Götz. Der Florist empfiehlt, die Raumtemperatur nicht zu schnell hochzuziehen und die Lichtverhältnisse an die Bedürfnisse der Pflanze anzupassen. „Der Weihnachtsstern ist eine Kurztagspflanze, und da müssen Lichtzufuhr und Temperatur stimmen, damit er seine Hochblätter ansetzen kann.“

HELLEBORUS BLÜHT IM WINTER IN VIELEN VARIANTEN

Ein dekorativer „Blütenklassiker“ in der Weihnachtszeit und danach ist auch die Christrose (Helleborus niger), die es Klaus Götz ebenfalls angetan hat. „Von der Gattung Helleborus gibt es viele Sorten. Mich faszinieren die sternförmigen Blüten der Weißen Christrose immer wieder“, schwärmt der Blumenexperte.

„Christrosen erzeugen eine feierliche Stimmung, sind ausdauernd und zum Teil auch ziemlich winterhart.“ Aber ebenfalls die Christrose „Bordeaux-gelb“, die schon in den ersten Wochen des Jahres blüht, findet mit ihren leuchtenden Staubgefäßen bei der Kundschaft des Floristen großen Anklang.

Die Christrose gilt als Symbol für die Geburt Christi und verkörpert auch die Unschuld – sie passt daher aufgrund ihrer starken Symbolkraft wie kaum eine andere Blütenpflanze hervorragend in die besinnliche Weihnachtszeit. Von Dezember bis März erwärmt die Christrose mit ihren schönen Blüten das Herz jeden Hobbybotanikers. In geschützten Töpfen auf der Terrasse trotzt die Christrose auch niedrigen Temperaturen.

Wenn die Temperaturen aber doch weit unter dem Gefrierpunkt liegen, dann sollte die Christrose ins Haus gebracht werden. Mit Laub und Mulch können die Blätter der  Christrose besser vor ungünstigen Witterungsbedingungen geschützt werden.

Ab März lassen sich Christrosen ebenso im Gartenbeet anpflanzen. „Christrosen mögen vor allem kalkhaltige Böden“, weiß Klaus Götz. Ein leicht feuchter Standort im Halbschatten bekommt der Christrose am besten.

Ohne menschliches Zutun verbreitet sich in der kalten  Jahreszeit ebenfalls die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus), die am Wegrand lichter Wälder oder im Mauerwerk gerne in Kolonien aus dem „Boden schießt“. Die Blüte ist allerdings nicht so schön wie die der Lenzrose (Helleborus orientalis).

Die Lenzrose dringt als Pflanzeninvasor („Neophyt“) seit Jahren in Hybridform vom orientalischen Raum auch nach Westeuropa vor.

Jedes Jahr im Frühjahr erleben beispielsweise die Besucher der kleinsten Stadt Baden-Württembergs am Schlossberg in Langenburg/Jagst ein tolles Naturschauspiel, wenn zigtausende Lenzrosen ihre wunderschönen Blüten in die Höhe recken. Schon weit vor Christi Geburt war die Lenzrose als Kräuterpflanze bekannt. Dank ihrer Winterhärte werden Sorten der Lenzrose auch in Gärten als Hybridvariante angepflanzt.

MISTELZWEIGE WIRKEN DEKORATIV UND BRINGEN GLÜCK

Im Tagesgeschäft spielen bei Klaus Götz in der Vorweihnachtszeit Mistelzweige ebenfalls eine wichtige Rolle. „Inzwischen hängen vor den Haustüren immer öfter Mistelzweige, um den Wunsch nach dem ersehnten Weihnachtsfrieden zu symbolisieren. Der alte Brauch aus England ist längst zu uns herübergeschwappt“, so Götz. Die grünen Zweige mit den weißen Beeren wirken zur Weihnachtszeit besonders dekorativ. „Mistelzweige mit roter Schleife sind zur Weihnachtszeit ein schöner Blickfang“, bekräftigt der Gartenexperte.

Die Mistel – insbesondere die Weißbeerige Mistel (Viscum album) – ist eine Heilpflanze, der Zauberkräfte nachgesagt werden: Sie wehrt angeblich böse Kräfte ab. Für den berühmten Druiden Miraculix aus den legendären Asterix-Comics ist die Mistel eine wichtige Zutat für den Zaubertrank, der übermenschliche Kräfte verleiht: Die römischen Garnisonen um das unbeugsame gallische Dorf können ein Lied davon singen …

Es soll einem Paar auch Glück bringen, wenn es sich unter einem Mistelstrauch küsst. Im Winter und im Frühjahr sind die kleinen Mistelbeeren eine wichtige Futterquelle für Singvögel – vor allem die Misteldrossel als Spezialistin wird von den Beeren magisch angezogen.

Um die Nachfrage der Kundschaft nach Mistelzweigen zur Weihnachtszeit zu decken, setzt Klaus Götz auf seine Lieferanten direkt vor der Haustür. „Ich habe gute Kontakte zu Obstbauern im Neckartal. Die Mistel nistet sich als Halbschmarotzer mit Vorliebe auf Obstbäumen ein und zapft dort die Leitungsbahnen an“, erklärt Götz.

Auch auf vielen Weihnachtsmärkten oder im ländlichen Raum, sogar in den Dörfern am Straßenrand gibt es kostengünstige Mistelzweige zu kaufen. „Man ist einfach beim Kaufen auf der sicheren Seite“, betont Götz. Ungefragt auf einem fremden „Obststückle“ einfach Mistelzweige abzuschneiden, könnte nach Ansicht des Floristikexperten durchaus Ärger einbringen.

MISTELN AUF DEM EIGENEN OBSTBAUM ZÜCHTEN

Wer keine Mistelzweige auf dem Weihnachtsmarkt kaufen oder verständlicherweise keine Misteln auf fremden Grundstücken abschneiden will, der kann alternativ Misteln im eigenen Garten auch selber züchten. Allerdings ist das kein leichtes Unterfangen, wie Isolde Keil-Vierheilig von der Bayerischen Gartenakademie in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau mit Sitz in Veitshöchheim bestätigt. „Wer Misteln im Garten auf eigene Faust vermehren möchte, braucht viel Geduld“, meint sie.

Als ersten Handlungsschritt empfiehlt die Gartenexpertin: „Pressen Sie die reifen Samen in der Winterzeit in die Astgabeln oder Äste von Apfelbäumen oder Hainbuchen.“ Anschließend bilden die Samen erst einmal Haftscheiben, bevor sie Monate später mit ihren Senkwurzeln in das Holz des Wirtsbaumes vorstoßen. „Doch erst ein paar Jahre später bildet die Mistel ihre ersten Triebe und Blätter. Aber auch danach gedeiht die Mistel eher im Zeitraffertempo, und es formen sich jedes Jahr nur langsam weitere Verzweigungen und Blattpaare“, erklärt Keil-Vierheilig.

So können schon mal bis zu acht lange Jahre vergehen, bis die erste Mistelernte möglich ist! „Für eine regelmäßige Ernte sollten jedoch nicht alle Triebe gepflückt werden, sondern nur ein paar Verzweigungen“, empfiehlt die Pflanzenkennerin. Ihrer Meinung nach sind für einen gesunden und kräftigen Baum einzelne Misteln kaum ein Problem. „Wenn der Baum stärker befallen ist, dann kann das auch einen reduzierten Obstertrag zur Folge haben.“ Wichtig ist daher eine regelmäßige Kontrolle und Pflege von Streuobstwiesen.

RITTERSTERNE ENTFALTEN EIN LUXURIÖSES FLAIR

Während ihrer Tätigkeit bei der Bayerischen Gartenakademie verfasst Isolde Keil-Vierheilig regelmäßig auch Merkblätter zu saisonalen Gartenpflanzen. Passend zur Adventszeit hat sich die Pflanzenkennerin bereits intensiver mit Rittersternen beschäftigt und gibt ihre Erfahrungen mit der dekorativen Weihnachtsblume gerne weiter. „Die Blüten der Rittersterne sehen trichterförmig aus und verströmen ein luxuriöses Flair“, meint die Blütenexpertin.

Neben Ritterstern-Sorten mit roten Blüten finden mittlerweile auch weiße Blütenfarben immer häufiger Anklang bei Hobbygärtnern. Irritierenderweise  wird der Ritterstern oft als Amaryllis bezeichnet: Die wirkliche Amaryllis blüht jedoch bereits im Sommer. Auch wenn der Ritterstern grob in die Familie der Amaryllisgewächse eingruppiert wird: Der Ritterstern zählt eigentlich zur Gattung „Hippeastrum“ (Rittersterne). Als „Amaryllis“ wird der Ritterstern in der Adventszeit gerne im Blumenhandel angeboten.

Isolde Keil-Vierheilig weiß, wie die Blütenpracht der Rittersterne zur Adventszeit am besten zur Geltung kommt, wenn sie schon weit vor dem Weihnachtstrubel besorgt wurde. „Die Pflanzen sollten an einen hellen Platz in einem warmen Zimmer platziert werden. Eine Zimmertemperatur von 17 Grad Celsius ist ideal, damit die Blüten lang halten“, rät sie.

„Welke Blüten sollten noch vor dem Abfallen entfernt werden.“ Nach der Blüte empfiehlt es sich, den Blütenschaft abzuschneiden, um einer Samenbildung vorzubeugen und somit die Zwiebel zu kräftigen.

Von Mai bis September können die Zwiebelpflanzen im Freien aufgestellt werden – vorzugsweise im Halbschatten, wo sie regelmäßig gegossen und gelegentlich gedüngt werden. „Anschließend kommt die Pflanze zurück ins Haus und sollte dort bei zirka 15 Grad an einem trockenen Standort aufbewahrt werden, damit sich die Blütenknospen in der Zwiebel entwickeln können“, bekräftigt Keil-Vierheilig.

 

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